Außensteuerrechtliche Fragestellungen bei
deutschen Investitionen in Thailand – Teil 1

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THAILAND

Außensteuerrechtliche Fragestellungen bei deutschen Investitionen in Thailand – Teil 1

von RA Dr. Constantin Frank-Fahle, LL.M. und RA Till Morstadt, Bangkok

 

| Thailand gilt vielen deutschen Investoren als Sprungbrett in den südost- asiatischen Raum. Bei Investitionen in Thailand ergeben sich – u. a. vor dem Hintergrund des geringen Körperschaftsteuersatzes von 20 % – eine Viel- zahl an außensteuerrechtlichen Fragestellungen. Der vorliegende Beitrag soll hierüber einen Überblick vermitteln.  |

 

 

1.   ausgangsüberlegungen

Bei Investitionen in Thailand sind zunächst die investitionsrechtlichen Rah- menbedingungen zu beachten. Das Investitionsrecht erlaubt eine geschäftli- che Betätigung von ausländischen natürlichen und juristischen Personen nur unter engen Voraussetzungen (vgl. hierzu ausführlich Frank-Fahle/Morstadt, PIStB 17, 132 ff.).

 

Ausländische Investitionen werden in Thailand in der Regel über eine Kapi- talgesellschaft getätigt. Die Thai Company Limited (Thai Co., Ltd.) ist eine haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft, die vergleichbar ist mit der GmbH nach deutschem Recht.

 

Die thailändische Investitionsförderbehörde, das Thai Board of Investment (BOI), gewährt ausländischen Investoren je nach Förderkategorie Steuerbe- freiungen von bis zu 13 Jahren, in jedem Fall aber nichtsteuerliche Anreize, die es ausländischen Investoren ermöglichen, bis zu 100 % der Anteile an einer Kapitalgesellschaft zu halten (fully foreign-owned).

 

Daneben besteht eine Vielzahl an außensteuerrechtlichen Fragestellungen, die bei einer geschäftlichen Betätigung deutscher Investoren in Thailand zu beachten sind und nachfolgend erläutert werden.

 

2.    Verrechnungspreise

Die Abgabenordnung, der thailändische Revenue Code, enthält keine Rege- lungen in Bezug auf die Rechtsfolgen unangemessener Verrechnungspreise. Allerdings räumen die Bestimmungen zur steuerlichen Gewinn- und Verlust- rechnung den Finanzbeamten sowohl bezogen auf die Umsatz- als auch auf die Kostenseite das Recht ein, Preisanpassungen vorzunehmen, wenn die Bepreisung marktunüblich war. Kommt das Revenue Department z. B. zu dem Ergebnis, dass Verkaufspreise zu niedrig angesetzt worden sind, wäre eine Einkommenserhöhung in Thailand die Folge.

 

Die Verrechnungspreisrichtlinie (Departmental Instruction No. Paw. 113/2545) vom 16.5.02 ist als interne Handlungsanweisung für Finanzbeamte ausge- staltet und gibt ihnen Bewertungskriterien in Bezug auf die Marküblichkeit der Preisgestaltung an die Hand. Aus ihr ergeben sich somit keine unmittel- baren Dokumentationspflichten für Steuerpflichtige, faktisch sollten diese jedoch beachtet werden, um unnötige Diskussionen mit den Steuerbehörden zu vermeiden.

 

Als zulässige Verrechnungspreismethoden gelten u. a. die Preisvergleichs-, die Wiederverkaufspreis- sowie die Kostenaufschlagsmethode.

Die Verrechnungspreise eines in Thailand Steuerpflichtigen werden zuneh- mend im Rahmen von allgemeinen Steuer- und Betriebsprüfungen über- prüft. Hier empfiehlt es sich, eine Verrechnungspreisdokumentation ent- sprechend der Vorgaben der Verrechnungspreisrichtlinie parat zu halten. Die Dokumentation sollte folgende Punkte enthalten:

 

  • Name und Anschrift des Steuerpflichtigen, Abrechnungszeitraum sowie die Transaktion(en), die von der Verrechnungspreiszusage abgedeckt wer- den sollen

 

  • Struktur und Beziehung der P Darlegung der Geschäftsaktivitäten der verbundenen Unternehmen sowie von deren Aktionären, Angaben zu Geschäftserlösen und Betriebsergebnissen und die Art der Transaktion, einschließlich der Preispolitik sowie einer detaillierten Erläuterung hierzu

 

  • Detaillierte transaktionsbezogene Darstellung der Funktionen, Vermö- genswerte und Risiken

 

  • Detaillierte transaktionsbezogene Darstellung der Struktur der Geschäfts- aktivitäten und des jeweiligen Marktanteils

 

  • Wahl einer Verrechnungspreismethode und Darlegung des Grundes für die Auswahl sowie der entsprechenden Gewinnkalkulation
  • Beschreibung der Prozess- und Verfahrensabläufe

 

  • Hintergrund und Status in Bezug auf allgemeine Steuerprüfungen der letzten fünf Steuerjahre

 

  • Andere relevante Unterlagen, wie B. eine Beschreibung des Rechnungs- legungsstandards, Rechnungslegungsverfahrens, falls vorhanden Unter- schiede zwischen dem Rechnungslegungsstandard der thailändischen Gesellschaft und den verbundenen Unternehmen, die Einfluss auf die Ver- rechnungspreisgestaltung haben können

 


 

Die Special Machines (Thailand) Co., Ltd. hat sicherzustellen, dass die Dienst- leistungen zu einem Preis erbracht werden, der dem Fremdvergleichsgrund- satz standhält (Arm’s Length Principle). Hierfür sollte die Schwestergesell- schaften bei Drittanbietern Vergleichsangebote für die zu erbringenden Dienstleistungen einholen. Parallel hat die Special Machines (Thailand) Co., Ltd. eine Kalkulation der Kosten für die Erbringung der konzerninternen Dienstleistungen durchzuführen. Hier bietet sich die sog. Kostenaufschlags- methode (Cost-Plus-Method) an. Die Angebote der Drittanbieter sowie die anhand der Cost-Plus-Method ermittelten Werte sollten sich in einem ähnli- chen Bereich wiederfinden, Abweichungen sollten begründet werden.

Aufseiten der Special Machines Far East Pte Ltd sollte abgeklärt werden, ob die Cost-Plus-Methode eine anerkannte Verrechnungspreismethode ist und die Gewinnaufschläge akzeptabel sind. Nach Möglichkeit sollten die gewähl- te Verrechnungspreismethode und der angewendete Gewinnaufschlag mit dem übereinstimmen, was auch für andere konzerninterne Transaktionen verwendet wird. Erbringt die Special Machines (Thailand) Co., Ltd. im vorge- nannten Beispiel auch Dienstleistungen gegenüber der Spezialmaschinen GmbH, wäre ein Augenmerk darauf zu legen, dass die Verrechnungspreisme- thoden übereinstimmen. Anderenfalls könnte es im Rahmen einer Steuer- prüfung zu Auseinandersetzungen um die jeweilige Verrechnungspreisme- thode kommen.

praXIShInweIS | Basierend auf diesen Überlegungen sollte ein sog. Intercom- pany-Service-Vertrag zwischen den Gesellschaften abgeschlossen werden, der als Rechtsgrundlage für die Erbringung der konzerninternen Leistungen dient. In dem Vertrag sollte insbesondere auf die zugrunde gelegte Verrechnungspreis- methode Bezug genommen und eine konkrete Leistungsbeschreibung aufge- nommen werden. Die übrigen Dokumente (Angebote von Drittanbietern sowie interne Berechnung) sollten aufbewahrt werden.

 

Grundsätzlich sollten deutsche Unternehmen sowie deren Tochterunterneh- men aber ohnehin eine darüber hinausgehende Dokumentation vorliegen haben. Aus dem Gesetz zur Umsetzung der Änderungen der EU-Amtshilfe- richtlinie und von weiteren Maßnahmen gegen Gewinnkürzungen und -verla- gerungen vom 20.12.16 (BGBl I, 3000 – in Kraft getreten am 24.12.16) ergeben sich aus deutscher Perspektive Verschärfungen in Bezug auf die Verrech- nungspreisdokumentation, die auch auf Tochtergesellschaften deutscher Investoren in Thailand ausstrahlen. Mit dem Gesetz wird ein Teilbereich des Projekts gegen Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung (Base Erosion and Profit Shifting – BEPS) der OECD umgesetzt. Das Gesetz sieht u. a. nun- mehr eine dreistufige Verrechnungspreisdokumentation vor:

  1. Eine landesspezifische, unternehmensbezogene Dokumentation (Local File),
  2. eine Stammdokumentation (Master File) sowie
  3. einen länderbezogenen Bericht (Country-by-Country Report – CbCR).

 

Thailand hat im Rahmen der Befragung durch den Steuerausschuss der Ver- einten Nationen zu erkennen gegeben, seine Verrechnungspreisgesetz- gebung zu überprüfen (Stand: 2014). Hierbei wurde die Verschärfung der Ver- rechnungspreisdokumentation auf der Grundlage der OECD-Empfehlungen als eines der wichtigsten Ziele identifiziert.

 

Ein Gesetzesentwurf vom 7.5.15 sah eine Dokumentationspflicht vor, wonach Steuerpflichtige 150 Tage nach Abschluss des Steuerjahres ihre Verrechnungs- preisdokumentation einzureichen hatten. Nachdem dieser Entwurf nicht weiter verfolgt worden ist, wurde im Juni 2017 ein weiterer Gesetzesentwurf vorgelegt, der ebenfalls eine strafbewehrte Pflicht zur Einreichung einer Verrechnungs- preisdokumentation vorsieht. Vor diesem Hintergrund steht zu erwarten, dass Thailand seine Regelungen in Bezug auf Verrechnungspreise zeitnah verschär- fen und an internationale Standards angleichen wird. Es ist daher sinnvoll, be- reits jetzt die Dokumentation in Thailand an internationale Standards anzupas- sen und insbesondere einen Local File Thailand anzulegen.

 

3.   Funktionsverlagerung

Beim Aufbau von neuen Strukturen im Ausland, insbesondere in Niedrigsteuer- ländern, ist weiterhin stets zu beachten, ob die Tatbestandsvoraussetzungen einer außensteuerlichen Funktionsverlagerung erfüllt werden.

3.1 Voraussetzungen

Eine Funktionsverlagerung liegt vor, wenn eine Funktion einschließlich der dazugehörigen Chancen und Risiken und der mitübertragenen Wirtschafts- güter oder sonstigen Vorteile eines Unternehmens auf ein anderes naheste- hendes Unternehmen verlagert wird (§ 1 Abs. 2 S. 1 FVerlV). Werden z. B. Aufgaben wie Vertrieb und Verkauf in Thailand von einer thailändischen Toch- terkapitalgesellschaft ausgeführt, die davor von der deutschen Mutter durch- geführt worden sind, stellt dies aus Sicht der Steuerbehörden eine Verlage- rung von (immateriellen) Wirtschaftsgütern von Deutschland nach Thailand dar. Der dadurch erzielte Gewinn wird von nun an nicht mehr in Deutschland, sondern im „Niedrigsteuerland“ Thailand erzielt und versteuert.

 

Beachten Sie | Für die Erfüllung des Tatbestands ist nicht erforderlich, dass eine Aufgabe komplett von der deutschen Mutter- auf die thailändische Toch- tergesellschaft übergeht; es reicht bereits eine Einschränkung einer be- stimmten Aufgabe in Deutschland aus. Ferner reicht gemäß § 1 Abs. 2 S. 2 FVerlV auch eine nur zeitweise Übernahme der Funktion aus. Ob im Ergebnis eine Funktionsausgliederung, -abschmelzung, oder -abspaltung vorliegt, ist für die Rechtsfolge allenfalls der Höhe nach von Bedeutung.

3.2 rechtsfolge

Liegt eine Funktionsverlagerung vor, kommt es gemäß § 1 Abs. 3 S. 9 AStG zu einer Bewertung der übertragenen Aufgaben, welche zusammengefasst als

„Transferpaket“ bezeichnet werden. § 1 Abs. 3 FVerlV definiert das Transferpa- ket, das das Gewinnpotenzial, den Wert von immateriellen Wirtschaftsgütern und die mit der übertragenen Funktion verbundenen Chancen, Risiken, Wirt- schaftsgüter und Vorteile sowie im Zusammenhang erbrachten Dienstleistun- gen umfasst. Hierbei wird auch darauf abgestellt, welchen Gewinn die übertra- gene Aufgabe in der Zukunft für die deutsche Mutter erwirtschaftet hätte.

 

Die deutschen Finanzbehörden sind gemäß § 1 Abs. 3 S. 12 AStG berechtigt, innerhalb von zehn Jahren nach Übertragung der Funktion den Wert des Transferpakets anzupassen, sollte sich der Gewinn, der mit der übertrage- nen Funktion erwirtschaftet wird, anders entwickeln, als bei der ursprüngli- chen Berechnung des Transferpakets zugrunde gelegt wurde.

3.3 Vermeidungsstrategien

 

Um zu vermeiden, dass die Gründung und die Ausübung einer Geschäfts- tätigkeit einer thailändischen Tochtergesellschaft als Funktionsübertragung gewertet werden, sollten die Geschäftsaktivitäten der thailändischen Gesell- schaft entweder als neue Funktion oder als Funktionsverdoppelung i. S. d. § 1 Abs. 6 FVerlV abgebildet werden:

 

 

  • In einem ersten Schritt sollte bestimmt werden, welche Aufgaben die thai- ländische Tochtergesellschaft in Thailand ausführen soll (z. Vertrieb, Produktion etc.). Sollte sich zeigen, dass dieses Aufgabenspektrum bereits von der deutschen Mutter ausgeführt wird, besteht die Gefahr, dass dieser Vorgang seitens der Finanzbehörden als Funktionsverlagerung gewertet wird.

 

  • Demgegenüber liegt tatbestandlich bereits keine Funktionsverlagerung vor, wenn es zu einer Funktionsverdoppelung kommt. Eine Funktionsver- doppelung liegt gemäß § 1 Abs. 6 FVerlV vor, wenn die Aufnahme der Funk- tion durch die thailändische Tochtergesellschaft zu keiner Einschränkung der Ausübung dieser Funktion bei der deutschen Muttergesellschaft führt. Eine Verdoppelung der Funktion ist demnach gegeben, wenn trotz der Auf- nahme der Funktion in Thailand (z. B. Vertrieb, Produktion etc.) die bisherige Tätigkeit von der deutschen Muttergesellschaft unverändert fortgeführt wird.

 

  • Zu steuerlichen Konsequenzen kommt es im Rahmen einer Funktionsver- doppelung aber, soweit tatsächlich nicht nur neue Aufgaben in der Tochter- gesellschaft übernommen werden (z. Bearbeitung neuer Märkte, neuer Kunden etc.). Nach Ablauf einer Frist von fünf Jahren (§ 1 Abs. 6 S. 1 FVerlV) nach der Funktionsverdoppelung kann die Funktion ohne die negative steuerliche Rechtsfolge einer Funktionsverlagerung im Stammhaus abge- baut werden.

 

  • Es sollte daher eine belastbare Dokumentation über die Funktionsverdop- pelung angefertigt werden, die aufzeigt, dass die Aufgaben von der thailän- dischen Tochtergesellschaft neu aufgebaut wur Dies kann z. B. nach- gewiesen werden durch:
    • Vertriebsmaßnahmen in Thailand den übrigen ASEAN-Staaten, die zuvor (noch) nicht von der deutschen Muttergesellschaft ausgeführt worden sind,
    • Anwerbung neuer Kunden durch die thailändische Gesellschaft,
    • Erschließung neuer, h. (noch) nicht bestehender Märkte.
    • hinzurechnungsbesteuerung

Im Rahmen der Gründung einer thailändischen Tochtergesellschaft ist stets die deutsche Hinzurechnungsbesteuerung, geregelt in den §§ 7 bis 14 AStG, im Auge zu behalten:

3.4.1 Voraussetzungen

Die Hinzurechnungsbesteuerung greift unter den folgenden drei Vorausset- zungen:

 

  • Deutscher Steuerpflichtiger kontrolliert (wenn auch  nur  indirekt)  über 50 % der Anteile der ausländischen Gesellschaft (Inländerbeherrschung),
  • die ausländische Gesellschaft hat ihren Sitz in einem Niedrigsteuerland (weniger als 25 % Körperschaftsteuersatz) und
  • die ausländische Gesellschaft übt keine aktiven Tätigkeiten aus (§ 8 AStG).

 

Deutsche Investoren können in Thailand unter Einhaltung der investitions- rechtlichen Voraussetzungen Mehrheitsgesellschafter einer thailändischen Kapitalgesellschaft werden. Strukturen, die dem ausländischen Gesellschaf- ter die faktische Verfügungsgewalt über das thailändische Unternehmen ein- räumen, um Beschränkungen des thailändischen Investitionsrechts zu um- gehen, gelten im Regelfall ebenfalls als Mehrheitsbeteiligung.

 

Durch die Senkung des Körperschaftsteuersatzes im Jahre 2012 auf 23 % bzw. der dauerhaften Senkung auf 20 % seit 2013 gilt Thailand als „Niedrig- steuerland“ i. S. d. § 8 Abs. 3 AStG. Bis 2011 galt ein höherer Steuersatz (30 %), sodass diese Problematik nur für steuergeförderte Gesellschaften relevant wurde. Hierauf kommt es seit 2012 allerdings nicht mehr an.

 

Vor dem Hintergrund, dass die beiden erstgenannten Merkmale im Regelfall erfüllt sind, ist besonderes Augenmerk auf den Tätigkeitskatalog des § 8 Abs. 1 AStG zu richten:

 

  • produktion (§ 8 1 nr. 2 aStG): Produktion gilt immer als aktive Ein- kunftsart. Gleiches gilt für die Anlagenbauindustrie, da aufgrund der Ver- arbeitung bzw. Montage von Gütern per Definition eine aktive Tätigkeit aus- geübt wird (vgl. Morstadt/Frank-Fahle, Steueroptimierung bei Anlagen- bauprojekten in Thailand, PIStB 17, 53 ff.). Entsprechendes gilt mit Blick auf Tochtergesellschaften, die sich im Bereich der Erzeugung von Energie (auch aus erneuerbaren Energiequellen) betätigen.

 

  • handel (§ 8 1 nr. 4 aStG): Handel wird grundsätzlich als aktive Tätig- keit betrachtet. Allerdings wird in den Fällen, in denen die Verfügungs- macht an den gehandelten Waren von einem wesentlich beteiligten Gesell- schafter verschafft wird (oder umgekehrt), zunächst von einer passiven Tätigkeit ausgegangen. Vor dem Hintergrund, dass thailändische Ver- triebsgesellschaften oftmals ausschließlich von anderen Konzernunter- nehmen einkaufen bzw. an solche verkaufen, sind diese Einkünfte grund- sätzlich als passiv einzustufen. Ungeachtet der Frage, ob eine BOI-Förde- rung mit Steuerbefreiung in Anspruch genommen worden ist, gelten thai- ländische Vertriebsgesellschaften folglich grundsätzlich als sog. Zwi- schengesellschaften.

 

Beachten Sie | § 8 Abs. 1 Nr. 4 AStG enthält jedoch eine Rückausnahme. Danach sind auch solche Vertriebsaktivitäten aktiv, wenn die ausländische Zwischengesellschaft einen für derartige Handelsgeschäfte in kaufmänni- scher Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb unter Teilnahme am allge- meinen wirtschaftlichen Verkehr unterhält. Die zur Vorbereitung, dem Abschluss und der Ausführung solcher Geschäfte gehörenden Tätigkeiten müssen ohne schädliche Mitwirkung eines unbeschränkt Steuerpflichti- gen oder einer ihm nahestehenden Person ausgeübt werden.

 

Es kommt also darauf an, ob die thailändische Vertriebsgesellschaft einen angemessenen eingerichteten Geschäftsbetrieb hat, am allgemeinen wirt- schaftlichen Verkehr teilnimmt und konzernverbundene Unternehmen im Rahmen der Vertriebstätigkeiten mitwirken (sog. schädliche Mitwirkung).

 

 

  • Dienstleistungen (§ 8 1 nr. 5 aStG): Im Hinblick auf Servicegesell- schaften ergeben sich im Wesentlichen dieselben Voraussetzungen wie bei Handelsgesellschaften. Eine passive Dienstleistung liegt vor, wenn sich die thailändische Servicegesellschaft zur Erbringung der Dienstleistung eines in Deutschland Ansässigen bedient. Wie im Rahmen der Handelsaktivität besteht eine Rückausnahme. Diese sieht ebenfalls vor, dass der Steuer- pflichtige nachweisen muss, dass die ausländische Gesellschaft für die Erbringung der Dienstleistung einen qualifizierten Geschäftsbetrieb unter- hält und die jeweiligen Dienstleistungen ohne schädliche Mitwirkung eines konzernverbundenen Unternehmens ausgeübt werden.

3.3.2 rechtsfolgen

Beim Aufbau und Betrieb von Vertriebs- und Dienstleistungsgesellschaften gilt es daher, besondere Vorsicht walten zu lassen und die thailändische Gesellschaft auf möglichst eigenständige Füße zu stellen. Andernfalls kön- nen sich aus der Tätigkeit erhebliche steuerliche Risiken in Deutschland er- geben. Liegt nämlich eine Rückausnahme nicht vor, und handelt es sich um eine passive Tätigkeit der Tochtergesellschaft, werden die Zwischeneinkünfte nach Abzug von darauf entfallender ausländischer Steuern (§ 10 Abs. 1 S. 1 AStG) und mit Zwischeneinkünften in wirtschaftlichem Zusammenhang ste- hender Betriebsausgaben (§ 10 Abs. 4 AStG) dem deutschen Gesellschafter pro rata hinzugerechnet. Dies geschieht grundsätzlich in Form einer Umqua- lifizierung des Hinzurechnungsbetrags in Dividendeneinkünfte (§ 10 Abs. 2 S. 1 AStG), wobei das Teileinkünfteverfahren und das Schachtelprivileg (§ 8b Abs. 3 KStG) nicht anwendbar sind. Auch die Schutzwirkungen von DBA bzw. von § 8b Abs. 1 KStG entfallen und die außensteuerlichen Hinzurechnungsein- künfte unterliegen der Gewerbesteuer (s. Kahlenberg, PIStB 17, 340).

3.4.3 Vermeidungsstrategien

 

 

Vor dem Hintergrund, dass eine Inländerbeherrschung gegeben ist (§ 7 Abs. 2 AStG) und die Zwischengesellschaft in einem Niedrigsteuerland liegt (§ 8 Abs. 3 AStG), kommt es einzig darauf an, ob die Special Machines (Thailand) Co., Ltd. passive Einkünfte i. S. d. § 8 Abs. 1 AStG erzielt. Werden sowohl aktive als auch passive Einkünfte erzielt, sind die Einkünfte durch eine funk- tionale Betrachtung voneinander abzugrenzen. Vorstehend sind also die Ver- triebs-, Service- und Produktionsaktivitäten voneinander zu trennen.

 

Im Hinblick auf die Vertriebsaktivitäten ergibt sich, dass die Spezialmaschinen GmbH in die Vertriebsaktivitäten einbezogen ist. Entsprechendes gilt mit Blick auf Dienstleistungen, die unter Mitwirkung eines Inlandsbeteiligten erbracht werden. Damit liegt eine sog. schädliche Mitwirkung vor, sodass diese beiden Aktivitäten, die grundsätzlich als aktiv zu werten sind, als passiv einzustufen sind. Einkünfte aus der Produktion sind aktive Einkünfte (§ 8 Abs. 1 Nr. 2 AStG).

 

Die Aktivitäten der Special Machines (Thailand) Co., Ltd. sollten daher so strukturiert werden, dass die thailändische Gesellschaft vollständig autonom agieren kann, eigenes Personal und Geschäftsräume unterhält und konzern- verbundene Unternehmen nicht einbezogen werden.

 

Für eine Umqualifizierung in „aktive“ Einkünfte muss gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 4 bzw. Nr. 5 und § 90 AO nachgewiesen werden, dass

  • die thailändische Gesellschaft einen in kaufmännischer Weise eingerich- teten Geschäftsbetrieb unterhält (Büro, Angestellte, Infrastruktur et),
  • am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilnimmt sowie
  • bei der Vorbereitung, dem Abschluss und der Ausführung der Geschäfte keine Mitwirkung aus Deutschland v

 

Um dieser Nachweispflicht zu entsprechen, sollte über die vorgenannten Aspekte eine umfassende Dokumentation erstellt werden.

 

  • Der Beitrag wird in der nächsten Ausgabe Im zweiten Teil werden die

außensteuerrechtlichen Fragen zum Ort der Geschäftsführung und zur Wegzugsbe- steuerung bei Investitionen in Thailand erläutert und Vermeidungsstrategien aufgezeigt.

 

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